Seit wann sind Sie selbstständig?
Seit 1998 und ich bin Mitglied als Fachbetrieb im Fachverband Garten- und Landschaftsbau.
Also schon seit fast 25 Jahren selbständig. Das heißt schon was…
Ich glaube daran, dass jeder als roher Diamant geboren wird und gefördert z.B. durch sein Elternhaus, Schule oder Gesellschaft zur Brillanz kommen kann. Aber es ist auch wichtig bereit zu sein, die eigenen Fähigkeiten entwickeln zu wollen. Das ist grundsätzlich mein Antrieb. Um an mir zu arbeiten, ist es wichtig stets zu reflektieren und zu erkennen, wo ich mich verbessern kann, wenn ich Fehler gemacht habe.
Was bedeutet Garten-Landschaftsbau für Sie?
Mich fasziniert der Umgang mit Erde, Steinen und den Pflanzen. Zu sehen, wie sich ein Garten entwickelt und lebt, seine Farben verändert und sich stets im Wandel befindet, wie Bäume wachsen und sich über die Zeit die Natur verändert ist so spannend und begeistert mich immer wieder aufs Neue.
Sehen Sie auch manchmal nach erbrachten Projekten?
Ja, sogar sehr gerne. Mir ist sehr wichtig den Kontakt zu pflegen und zu sehen, wie sich alles entwickelt.
Nach was suchen Sie Aufträge aus?
In erster Linie ist mir der Kunde wichtig, und zwar als Mensch. Auf einer Wellenlänge zu sein, empfinde ich als sehr wertvoll. Dazu kommt noch ein fairer Umgang und je komplexer die Aufgabe, desto positiv reizvoller.
Wie ist der Ablauf in der Zusammenarbeit?
Die Beratung steht bei mir an erster Stelle. Meine Kunden können sich auch daran am meisten erinnern. Ich höre genau auf die Vorstellungen der Kunden und spreche dann meine Empfehlung aus.
Ich erzähle gerne ein Beispiel: Ein Kunde hat sich eine Buchenhecke in seinem Garten gewünscht.
Da ich wusste, dass er zwei Kinder hatte und ich deshalb eher eine bunte Beerenhecke pflanzen würde, damit die Kinder später auch etwas ernten können, folgte er meinem Rat. Einige Zeit später schenkte mir seine Familie ein Glas Johannisbeermarmelade, welche sie aus der ersten Ernte gekocht hatten.
Ein ganz besonderer Lohn für Ihre Arbeit!
Das ist wahr. Die Kunden haben sich an meine gute Beratung erinnert. Sie haben mich weiterempfohlen und ich bekomme so übrigens auch die meisten Aufträge. Ich berate meine Kunden und gebe Ihnen Zeit darüber nachzudenken, ob sie mit mir zusammenarbeiten wollen.
Wo sehen Sie derzeit Chancen und Herausforderungen?
Ich bin geerdet und ich glaube wir tragen eine erhebliche Verantwortung gegenüber Mutter Erde. Der Kontakt zur Erde ist für mich sehr wichtig. Nachhaltigkeit bedeutet für mich, wenn meine Kunden auch nach 25 Jahren noch sagen: Mensch, der Garten wird immer schöner. Er ist in die Jahre gekommen und hat Patina, aber ich fühle mich immer noch wohl. Was ich baue soll auch in der nächsten Generation bestand haben. Ich habe das Phänomen, dass die Kinder von damaligen Kunden sich heute nach über zwanzig Jahren an mich erinnern und selbst gute Kunden bei mir geworden sind.
In welchem Gebiet nehmen Sie eigentlich Aufträge an?
Bis zu einer guten Autostunde ist sinnvoll. Machbar ist jedoch im Besonderen das, was Menschen sehr verbindet – die Wellenlänge.
Was darf man über Sie noch wissen?
Ich beschäftige Menschen mit Einschränkungen. Ich benutze kaum das Wort Behinderung. Es fing im Jahr 2008 an, als mich eine Mutter anrief, um nach einer Beschäftigung für Ihren Sohn fragte. Ich lehnte ab, weil er nicht selbst bei mir angerufen, sondern seine Mutter vorgeschickt hatte.
Da erklärte sie mir, dass er gerne anrufen würde, aber aufgrund seines Stotterns kein Wort herausbringen würde.
Nachvollziehbar.
Absolut. Ich habe daraufhin ihrem Sohn sofort Probetage angeboten. Das war wie gesagt 2008. Noch heute arbeitet er bei mir. Es macht mir mit diesem besonderen Menschen unglaublich viel Freude und ich nehme ihn auch sehr ernst. Daher arbeite ich auch eng mit dem Integrationsfachdienst zusammen. 2021 wurde ich als einer von vier Preisträgern vom hessischen Sozialministerium mit dem Landespreis für die Beschäftigung von „Menschen mit Behinderung“ ausgezeichnet.
Gratulation. Was für eine wunderbare Geschichte.
Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie derzeit?
Im Moment habe ich zwei Angestellte. Sie sind wie Söhne für mich. Außerdem arbeite ich noch mit Subunternehmern zusammen.
Wie ist die Situation im Bereich der Fachkräfte und Nachwuchs?
Das Problem ist, dass heutzutage wie seinerzeit, die Wertschätzung der Handarbeit fehlt. Wir brauchen mehr Wertschätzung und die Menschen müssen wieder lernen, mit den Händen zu arbeiten. Was Fachkräfte betrifft: Wer Interesse hat bei mir zu arbeiten, ist automatisch eine Fachkraft…
Wie kam der Kontakt zur Werkbank zustande?
2020 wurde ich Stefan (Ausserehl einer der Werkbank-Gründer) empfohlen, um seinen Garten neu zu gestalten. Da hat er mir von dem Konzept der WERKBANK erzählt und ich war sofort begeistert.
Welche Erwartungen haben Sie an die Werkbank?
Ich habe eher Erwartungen an mich wie z.B. Netzwerke zu inkludieren und neue Knotenpunkte herzustellen. Der Rest kommt automatisch…sozusagen ein Selbstläufer…
Zehn kurze Fragen:
Comedy oder Drama? – Comedy
Fußball oder Formel 1 – Eintracht Frankfurt !!!
Bier oder Wein – Wein
Butter oder Margarine – Butter
Sommer oder Winter – Frühling ich bin Gartenbauer!!!
Berge oder Meer – Berge
Handkäs oder Kochkäs – Handkäs
Früher Vogel oder Nachteule – Nachteule
Brot oder Brötchen – Brötchen
Land oder Stadt – Stadt, Land, Fluss!!! Ich liebe MUTTER ERDE
Herr Krimmelbein, vielen Dank für das Gespräch
Ich danke Ihnen und wünsche eine gute Zeit!